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Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft beschäftigt sich mit der Pflege und Verbreitung des künstlerischen Werkes von Dmitri Schostakowitsch.

Hier finden Sie Informationen über den Komponisten und seine Musik, sowie über die Gesellschaft und ihre Aktivitäten, und Sie können auch Ihre Fragen stellen und Meinungen äußern. Bei uns finden Sie Musikspezialisten und viele Freunde, die die Zuneigung zu Schostakowitsch und seiner Musikwelt zusammengeführt hat. 

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News 

Der Bolschewik, Ölgemälde von Boris Kustodijew (1920). Foto: Wikipedia


Die Zwölfte. Ein polarisierendes Werk.

Mehrfach hat sich Dmitri Schostakowitsch mit der „Großen Sozialistischen Oktoberevolution“ beschäftigt. Erstmals 1927 in seiner Symphonie Nr. 2 „An den Oktober“ – ein Auftragswerk der Agitationsabteilung des Musikverlags „Mus-sektor“ zum zehnjährigen Jubiläum der Oktoberrevolution. Letztmals 1967, als er das – recht kurze – symphonische Poem „Oktober“ für die 50-Jahr-Feierlichkeiten beisteuerte. Dazwischen lag, 1961, die Komposition seiner 12. Symphonie in d-Moll, der er den Untertitel „Das Jahr 1917“ gab und die im Umfeld des XXII. Parteitags der KPdSU uraufgeführt wurde. Noch immer gilt Schostakowitschs Zwölfte als  umstrittenes Werk, das Kritiker und Zuhörer gleichermaßen polarisiert. Im Westen wurde ihre „monumentale Trivialität“ (Peter Heyworth) kritisiert und von Rostropowitsch ist die Äußerung überliefert, Schostakowitschs Gewissen habe es nicht zugelassen, dieses Werk so gut zu schreiben, dass es in die Geschichte eingehe. Es sei schade, dass sein Genie damit so viel Zeit vergeudet habe.

Am 7. November 2017 jährt sich zum 100. Mal die gewaltsame Machtübernahme in Russland durch die kommunistischen Bolschewiki unter Führung Wladimir Iljitsch Lenins. Ein guter Anlass, sich wieder mit dem musikalischen Nachhall dieses Ereignisses im Schaffen Dmitri Schostakowitschs auseinanderzusetzen. Gelegenheit hierzu geben beispielsweise zwei Konzerte des Publikumsorchesters des Konzerthauses Berlin, bei denen die 12. Symphonie unter der Leitung von Dirk Wucherpfennig aufgeführt wird. Wucherpfennig hat sich in seiner Masterarbeit intensiv mit der Zwölften auseinandergesetzt. Vor den Konzerten wird der Musikwissenschaftler Steffen Georgi eine Einführung in das Werk geben.  

Die Konzerttermine: Am 15. November 2017, um 20 Uhr, im Großen Saal des Russischen Hauses in der Friedrichsstraße 176-179 in Berlin (mit begleitender Ausstellung „Frauenbild der Oktoberrevolution“). Karten an der Kasse RHWK, Tel.: 030 20 30 23 20. Sowie als „Espressokonzert“ am 6. Dezember 2017, um 14 Uhr im Großen Saal des Konzerthauses Berlin. Karten an der Kasse Konzerthaus Berlin, Besucherservice, Tickethotline: 030 20 30 9 - 21 01 oder im Internet unter      


Im Schatten der Oktoberrevolution 

Im Jahr 2017 jährt sich die russische Oktoberrevolution zum 100. Mal. Die Machtübernahme der kommunistischen Bolschewiki hat die Welt für immer verändert und mit ihr das Leben von Millionen Menschen. Dies spiegelt sich auch im Leben und Wirken dreier großer russischer Komponisten des 20. Jahrhunderts: Dmitri Schostakowitsch, Sergej Rachmaninow und Sergej Prokofjew. Der deutsch-französische Kulturkanal Arte hat hierzu eine bemerkenswerte Dokumentation ausgestrahlt, die in der Arte-Mediathek abgerufen werden kann. 

Mit Hilfe von Interviews zeigt „Im Schatten des Roten Oktober“ (Regie: Anna Schmidt) eindringlich auf, wie direkt die politischen und kulturellen Umwälzungen das Leben und Schaffen der Musiker beeinflussten. Denn zwischen Fortschrittsglauben und Ernüchterung, zwischen Anpassung und Emigration mussten sie sich zur sowjetischen Diktatur positionieren. Neben Schostakowitschs Witwe Irina kommt die renommierte russische Musikhistorikerin Svetlana Savenko zu Wort, der Musikwissenschaftler Simon Morrison von der Princeton University sowie der Schostakowitsch-Biograf Krzysztof Meyer, der Pianist Daniil Trifonov und Mitglieder des Borodin-Quartetts. Krzysztof Meyer, der auch Präsident der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft ist, beklagt darin auch den Schatten, den die stalinistische Diktatur noch immer auf das Werk Dmitri Schostakowitschs wirft: „Warum sprechen wir so wenig über die Vollkommenheit seiner Kunst? Das ist einmalig im 20. Jahrhundert.“


Zum Öffnen des Videos klicken Sie bitte auf das Bild.


Happy Birthday, Oktoberrevolution! 

Konnte ein sowjetischer Komponist das Jubiläum der glorreichen sowjetischen Oktoberrevolution ausgerechnet mit dem läppischen Allerweltsliedchen des kapitalistischen Klassenfeindes feiern? Na klar – zumindest, wenn er das musikalische Format, die satirische Spottlust und den persönlichen Mut eines Dmitri Schostakowitsch hatte. 

Schostakowitsch bei seiner USA-Reise im Jahr 1949. Foto: NZZ

Der Schweizer Musikwissenschaftler Jakob Knaus hat sich auf die Suche nach dem Subtext in der Musik des großen Russen gemacht und dabei – auch für Schostakowitsch-Kenner – so manche Überraschung ans Licht gefördert. Das sorgsam in den avantgardistischen Klangteppich seiner zweiten Symphonie („An den Oktober“) eingewobene „Happy Birthday“-Zitat ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie es Schostakowitsch im Bemühen, seine persönliche Integrität und Selbstachtung zu wahren, immer wieder gelang, der kulturbolschewistischen Repression eine Nase zu drehen. 

Lesen Sie den Bericht von Jakob Knaus in der Neuen Zürcher Zeitung


„Schostakowitsch und die Zweite Avantgarde“

„Schostakowitsch und die Zweite Avantgarde“ war das Thema des 18. Musikwissenschaftlichen Symposiums der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft, das am 15. und 16. September 2017 in den Räumen der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Berlin stattfand. Die zahlreich erschienenen Gäste erlebten erneut zwei intensive Tagungstage, vollgespickt mit hochinteressanten Referaten zahlreicher Musikwissenschaftler und Schostakowitsch-Experten aus dem In- und Ausland. Zu der überaus angenehmen Atmosphäre, die von vielen Symposiumsteilnehmern hervorgehoben wurde, trug sicherlich auch das renommierte Lutosławski Quartett mit seinem Kammerkonzert am Freitagabend bei. Dabei gelangten das Streichquartett Nr. 10 von Schostakowitsch, das Streichquartett von Lutosławski und das Streichquartett „Au dejà d'une absence“ von Krzysztof Meyer zur Aufführung.

Lesen Sie den Symposiumsbericht von Jakob Knaus 


Das Lutosławski Quartett und Krzysztof Meyer. Foto: Egbert Baars

 

Von beklemmender Aktualität

Endlich, ein Jahr nach dem englischen Original, ist Julian Barnes großartiger Schostakowitsch-Roman „Der Lärm der Zeit“ auf Deutsch erschienen. Der britische Erfolgsautor, der im vergangenen Jahr für sein Lebenswerk mit dem begehrten Siegfried-Lenz-Preis ausgezeichnet wurde, setzt sich in seinem neuen Werk ebenso kenntnisreich wie einfühlsam mit dem Leben des großen russischen Komponisten auseinander. 

Die Fragen, die er dabei aufwirft, sind - wie immer, wenn es um Schostakowitsch geht -  existenziell: Wie steht es um moralische Integrität, um persönlichen Mut und menschliche Aufrichtigkeit, um künstlerische Wahrhaftigkeit in einer von staatlicher Repression und um sich greifender Niedertracht vergifteten Wirklichkeit? Tiefdunkle, längst überwundene, gleichsam abgehakte Vergangenheit? Mitnichten! In einer Zeit, in der einmal mehr viele Künstler, Intellektuelle, Journalisten, Andersdenkende von egomanischen Autokraten und nach Macht gierenden Populisten mit beängstigender Aggressivität als „Feinde des Volkes“ denunziert werden, ist Barnes biografischer Künstlerroman von geradezu beklemmender Aktualität. 

Eine ausführliche Besprechung des bemerkenswerten Buches finden Sie hier:

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hat eine Leseprobe ins Netz gestellt:


Das deutschsprachige Feuilleton hat sich bereits ausführlich mit der Neuerscheinung beschäftigt. Eine kleine Auswahl der wichtigsten Beiträge:

Rezension von Martin Halter in der Badischen Zeitung

Rezension von Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung

Rezension von Werner Theurich auf Spiegel Online

Rezension von Marco Frei in der Neuen Zürcher Zeitung

Rezension von Michael Maar auf Zeit online

Interview mit Julian Barnes auf Welt.de

Rezension von Beat Mazenauer auf Literaturkritik.de

Rezension von Wolfgang Schneider in Der Tagesspiegel

Rezension von Martin Oehlen in der Frankfurter Rundschau


Richard Wherlock inszeniert „Tod in Venedig“

Als Glücksfall bezeichnete die Neue Zürcher Zeitung Richard Wherlocks Ballett „Snow White“ mit Musik von Dmitri Schostakowitsch, das in der Saison 2013/14 im Theater Basel  für Furore sorgte. Dass der britische Tänzer und Choreograf, der die Basler Companie seit 2001 leitet, eine besondere Affinität zur Musik des großen Russen hat, zeigt sich auch an einer neuen Choreografie, die er mit seinem Ensemble für die neue Saison vorbereitet: Für „Tod in Venedig“ nach der Künstlernovelle von Thomas Mann hat Wherlock erneut Musik von Schostakowitsch ausgewählt. Dessen Musik reflektiere farbenreich die Vielfalt der Emotionen, die der Protagonist während seiner Reise nach Venedig erlebt, heißt es in der Ankündigung des Theaters Basel.  Das vielfältige kompositorische Werk Schostakowitschs spiegle außerdem auf ganz besondere Weise das 20. Jahrhundert wider und lasse Zeitgeist und Atmosphäre greifbar und fühlbar werden. Dmitri Schostakowitschs Musik gleiche in ihrer breit gefächerten Erscheinung einer Lebenserzählung, einem Lebensdrama aus einer inneren Welt und sei zugleich tänzerisch figurativ und bildhaft plastisch. Premiere ist 13. April 2018. Man darf gespannt sein.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen hier ein Trailer der Basler Snow-White-Inszenierung aus der Spielzeit 2013/14. Quelle: Schweizer Kulturfernsehen arttv.ch:




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21. bis 24. Juni 2018

IX. Internationale Schostakowitsch Tage Gohrisch


Aufführungen von Werken Dmitri Schostakowitschs

Eine ausführliche und ständig aktualisierte Terminliste von Aufführungen der Werke Dmitri Schostakowitschs finden Sie beim Musikverlag Sikorski   




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