Nachrichten aus dem Jahr 2018

Richard Wherlock inszeniert „Tod in Venedig“

Als Glücksfall bezeichnete die Neue Zürcher Zeitung Richard Wherlocks Ballett „Snow White“ mit Musik von Dmitri Schostakowitsch, das in der Saison 2013/14 im Theater Basel  für Furore sorgte. Dass der britische Tänzer und Choreograf, der die Basler Companie seit 2001 leitet, eine besondere Affinität zur Musik des großen Russen hat, zeigt sich auch an einer neuen Choreografie, die er mit seinem Ensemble für die neue Saison vorbereitet: Für „Tod in Venedig“ nach der Künstlernovelle von Thomas Mann hat Wherlock erneut Musik von Schostakowitsch ausgewählt. Dessen Musik reflektiere farbenreich die Vielfalt der Emotionen, die der Protagonist während seiner Reise nach Venedig erlebt, heißt es in der Ankündigung des Theaters Basel.  Das vielfältige kompositorische Werk Schostakowitschs spiegle außerdem auf ganz besondere Weise das 20. Jahrhundert wider und lasse Zeitgeist und Atmosphäre greifbar und fühlbar werden. Dmitri Schostakowitschs Musik gleiche in ihrer breit gefächerten Erscheinung einer Lebenserzählung, einem Lebensdrama aus einer inneren Welt und sei zugleich tänzerisch figurativ und bildhaft plastisch. Premiere ist 13. April 2018. Man darf gespannt sein.

Um die Wartezeit ein wenig zu verkürzen hier ein Trailer der Basler Snow-White-Inszenierung aus der Spielzeit 2013/14. Quelle: Schweizer Kulturfernsehen arttv.ch:



Babi-Jar-Sinfonie beim Dresdner Gedenktag

Aus Anlass der Bombardierung im Februar 1945 wird in Dresden jedes Jahr am 13. Februar an die Opfer von Nationalsozialismus und Krieg, Hass und Zerstörung. Im Rahmen des „Dresdner Gedenktages“ wird in diesem Jahr auch Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 13 b-Moll für Bass, Männerchor und Orchester op. 113 „Babi Jar“ (1962) nach Gedichten von Jewgeni Jewtuschenko aufgeführt. Ausführende sind die Dresdner Philharmonie unter Leitung ihres Chefdirigenten Michael Sanderling, der Estnische Nationale Männerchor (Leitung: Mikk Üleoja), sowie der Bassist Mikhail Petrenko.

Die Dreizehnte Sinfonie von Schostakowitsch ist eine große Anklage gegen Ungerechtigkeit und Gewalt. Das titelgebende Gedicht von Jewgeni Jewtuschenko wendet sich gegen antisemitische Tendenzen in der Sowjetunion, konkret gegen die Blockade aller Pläne, am Ort des deutschen Massakers von Babi Jar ein Denkmal zu errichten. In der Schlucht nahe Kiew waren am 29. und 30. September 1941 während der Nazi-Besetzung mehr als 33000 Tausend Menschen ermordet worden, die meisten davon ukrainische Juden. Die Massenerschießungen gelten als größtes einzelnes Massaker an jüdischen Männern, Frauen und Kindern im Zweiten Weltkrieg, das unter der Verantwortung der deutschen Wehrmacht begangen wurde. Die weiteren Sätze der Sinfonie behandeln kritisch verschiedene Aspekte des sowjetischen Lebens. Die Uraufführung wurde mit Ovationen aufgenommen, danach zwang die sowjetische Kulturbürokratie Schostakowitsch aber, Textänderungen vorzunehmen. Erst 1970 konnte die Originalfassung des düsteren Meisterwerks veröffentlicht werden.

Es finden zwei Konzerte statt, das erste am Sonntag, 11. Februar um 18 Uhr, das zweite am Dienstag 13. Februar um 19.30 Uhr, beide im Großen Saal des Kulturpalastes Dresden. Beim ersten Konzert am 11. Februar erklingen neben Schostakowitsch, auch Werke von Arvo Pärt, James MacMillan und Max Reger. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten finden Sie hier 


Trauer um Friedbert Streller

Friedbert Streller. Foto: Egbert Baars

Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft e.V. trauert um sein langjähriges Mitglied Friedbert Streller. Der Musikwissenschaftler, Komponist und langjähriger Musikkritiker der Sächsischen Zeitung ist am 24. Dezember 2017 wenige Tage nach seinem 86. Geburtstag nach längerer Krankheit in Dresden gestorben.

Der am 21. Dezember 1931 in Hohburg (Sachsen) Geborene studierte 1950 bis 1956 an der Universität Leipzig Musikerziehung, Musikwissenschaft und Komposition bei Fred Lohse. Danach arbeitete er als Dozent für Musiktheorie und Musikgeschichte zunächst an der Musikfachgrundschule Magdeburg und dem Pädagogischen Institut Halle, ehe er von 1963 bis 1993 an der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ wirkte. Schon früh trat Friedbert Streller auch als Komponist in Erscheinung – die erste Uraufführung eines Streller-Werkes fand bereits 1959 statt. In seinem umfangreichen Oeuvre finden sich auch sechs Symphonien – die erste, im Jahr 2004 entstanden – widmete er Dmitri Schostakowitsch. Im Frühjahr 2016 wurde Strellers letztes Werk, das Doppelkonzert für Violine, Viola und Streicher durch das Dresdner Kammerorchester uraufgeführt.

Dem Leben und Werk Dmitri Schostakowitsch war Friedrich Streller zeitlebens eng verbunden. 2005 wurde er Mitglied der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft. Seither wirkte er an sämtlichen Musikwissenschaftlichen Symposien unserer Gesellschaft mit. An unserem 18. Symposium am 15. und  16. September 2017 konnte Streller krankheitsbedingt nicht mehr teilnehmen, sein von ihm hierfür vorgesehenes  Referat wurde jedoch vorgetragen. Auch bei den Schostakowitsch Tagen in Gohrisch zählte Streller zu den Stammgästen.

Friedbert Streller war als ebenso engagierter wie kenntnisreicher Schostakowitsch-Experte geachtet. In seinen Beiträgen für unsere Symposien vermittelte er eine Vielzahl neuer Perspektiven und Erkenntnisse über das Werk Schostakowitschs und dessen Rezeption im Wechsel der Zeiten.

Wir werden Friedbert Streller ein ehrendes Andenken bewahren.  


Happy Birthday, Oktoberrevolution

Schostakowitsch um 1949

Konnte ein sowjetischer Komponist das Jubiläum der glorreichen sowjetischen Oktoberrevolution ausgerechnet mit dem läppischen Allerweltsliedchen des kapitalistischen Klassenfeindes feiern? Na klar – zumindest, wenn er das musikalische Format, die satirische Spottlust und den persönlichen Mut eines Dmitri Schostakowitsch hatte. Der Schweizer Musikwissenschaftler Jakob Knaus hat sich auf die Suche nach dem Subtext in der Musik des großen Russen gemacht und dabei – auch für Schostakowitsch-Kenner – so manche Überraschung ans Licht gefördert. Das sorgsam in den avantgardistischen Klangteppich seiner zweiten Symphonie („An den Oktober“) eingewobene „Happy Birthday“-Zitat ist nur ein Beispiel von vielen dafür, wie es Schostakowitsch im Bemühen, seine persönliche Integrität und Selbstachtung zu wahren, immer wieder gelang, der kulturbolschewistischen Repression eine Nase zu drehen. 

Lesen Sie den Bericht von Jakob Knaus in der Neuen Zürcher Zeitung 


Schostakowitsch und die polnische Moderne

Die Vorbereitungen für die IX. Internationalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, die vom 22. bis 24. Juni 2018 im Kurort Gohrisch stattfinden werden, sind in vollem Gange. Das Programm des Festivals wird diesmal unter dem Motto „Schostakowitsch und die polnische Moderne“ stehen. Namhafte polnische Komponisten wie Krzysztof Penderecki und Krzysztof Meyer haben ihr Kommen angekündigt. Das Programm hält mehrere Erst- und Uraufführungen bereit, darunter auch wieder neu entdecktes von Dmitri Schostakowitsch. Am Vorabend des Festivals (am 21. Juni 2018) findet in der Dresdner Semperoper erneut ein Schostakowitsch-Sonderkonzert der Staatskapelle Dresden statt, diesmal unter der Leitung von Yuri Temirkanov. Auf dem Programm stehen die Festliche Ouvertüre op. 96, das Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester op. 35 (Solisten: Denis Matsuev und Helmut Fuchs), sowie die Symphonie Nr. 5 in d-Moll, op 47. Der Vorverkauf hat begonnen. Sobald das genaue Programm bekanntgegeben wird (vorraussichtlich im März), werden wir ausführlich darüber berichten. 



Wie Kultur über Barbarei triumphiert

August 1942: Inmitten des unfassbaren Leids der Blockade von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht soll der Dirigent des Radio-Symphonieorchesters Karl Eliasberg einen nahezu unmöglichen Auftrag erfüllen: die Aufführung von Dmitri Schostakowitschs 7. Symphonie. Die Aufführung wird zum Symbol eines kurzen Triumphs der Kultur über die Barbarei des Krieges. Das Dokudrama «Leningrad Symphonie - Eine Stadt kämpft um ihr Leben» auf Arte erzählt davon. Der deutsch-französische Kultursender zeigte die aufwändige Produktion am Dienstag, 27. Februar. Auf ARD ist der Film am 28. März um 23 Uhr zu sehen. Interviews mit Zeitzeugen, darunter auch mit Schostakowitschs Sohn Maxim, seltene Archivaufnahmen aus dem besetzten Leningrad und eigens produzierte Spielszenen schildern die dramatischen Geschehnisse. Im Zentrum des Films steht Eliasberg. Während Schostakowitsch mit seiner Familie knapp zwei Monate nach Beginn der Einkesselung ausgeflogen wird, damit er die Komposition der Leningrader Symphonie in Sicherheit beenden kann, harrt der Dirigent in der eingeschlossenen Großstadt aus. 

Mehr Informationen auf Spiegel-Online 


Trauer um Gerd Rienäcker

Gerd Rienäcker

Die Deutsche Schostakowitsch Gesellschaft trauert um Gerd Rienäcker, der Anfang Februar in Berlin gestorben ist. Der 1939 in Göttingen Geborene studierte von 1959 bis 1964 Musikwissenschaft (Nebenfach: Kunstwissenschaft) bei Ernst Hermann Meyer, Georg Knepler, Walther Vetter, Peter H. Feist und Carl Heinz Claasen an der Humboldt-Universität Berlin, zugleich Komposition bei Hans Georg Görner. Von 1964 bis 1966 arbeitete Gerd Rienäcker als Musikdramaturg (für Oper, Operette, Konzert) am Landestheater Eisenach. 1966 wurde er wissenschaftlicher Aspirant, 1967 bis 1985 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Musikwissenschaft der Humboldt-Universität. Dort wurde er 1973 mit einer Arbeit über dramaturgische Prinzipien in Opern von Paul Dessau, Siegfried Matthus, Udo Zimmermann und Robert Hanell promoviert. 1984 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Dramaturgie des Finales in Opern von E.T.A. Hoffmann, L. Spohr, C. M. v. Weber und H. Marschner. 1985 wurde er zum Dozenten, 1988 zum außerordentlichen Professor, 1990 zum ordentlichen Professor für Theorie und Geschichte des Musiktheaters an die Humboldt-Universität berufen. Ab 1996 lehrte er an mehreren deutschen Hochschulen.

Seine Forschungsinteressen galten einerseits der Theorie des Musiktheaters als Institution und Gattung, der Geschichte der Oper und Operette, Wagners Opern und Dramen und Bertolt Brechts Bedeutung für das Musiktheater; andererseits der europäischen Kompositionsgeschichte der Neuzeit und methodologischen Problemen der Musikgeschichtsschreibung und Musikanalyse. Auch mit dem Werk Dmitri Schostakowitschs beschäftigte sich Rienäcker zeitlebens intensiv. Rienäcker war Gründungsmitglied der Deutschen Schostakowitsch Gesellschaft e.V., deren Musikwissenschaftliche Symposien er immer wieder mit ebenso kenntnisreichen wie anregenden Referaten bereicherte. Wir werden Gerd Rienäcker ein ehrendes Andenken bewahren. 



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